Das Evangelische Bauernwerk im Bezirk

Pfarrer Uwe Bauer hat das Bezirksbauernpfarramt im Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd inne. 

Dreimal im Jahr kommt der Arbeitskreis in Eschach zusammen, zu dem Interesierte herzlich eingeladen sind. Dazu lesen Sie hier mehr.

Das Evangelische Bauernwerk in Württemberg hat in Hohebuch und hält Angebote und Informationen über seine Arbeit auf der homepage: www.hohebuch.de für alle Interessierten vor.

Essen - die neue Religion? Nachbericht

Essen - die neue Religion? - Vortragsveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Evang. Bauernwerk Hohebuch, dem evang. Dekanat Schw. Gmünd, der evang. Kirchengemeinde und den Landfrauen aus Eschach

 

Dr. Clemens Dirscherl, EKD-Agrarbeauftragter und Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg mit Sitz in Hohebuch sprach in Eschach zum Essverhalten das sich, geprägt sowohl von Hunger als auch von Überfluss stark verändert hat. An den Anfang stellte er die Vaterunserbitte um das "Täglich Brot", begleitet  vom Bittruf; "Und vergib uns unsere Schuld". Der Referent warf die Schuldfrage hinsichtlich der Ernährung auf. Es sei nicht selbstverständlich, dass wir aus dem "Vollen schöpfen" können und er erinnerte an die 50-er Jahre mit den  Hungererfahrungen des Krieges. Die Wirtschaftswunderjahre folgten, als Schlanksein keineswegs ein Idealbild darstellte, "Schnitzel übern Tellerrand", sei der Trend in den 70-er Jahren gewesen, danach kamen die ersten Pizzerien und es gab eine Beschleunigung durch weltweite Fast-Food-Ketten und auch bei Lebensmitteln eine Schnäppchenjagd. Damit einhergehend wurde die Hausarbeit zunehmend disqualifiziert, die Emanzipationsbewegung und Technisierung führte zu einer Entwertung des Berufs Hausfrau. Aber auch die Ernährung insgesamt wurde entwertet, durch die Rationalisierung in Form von Fertiggerichten. Dieser Trend bestehe nach wie vor, es gehe inzwischen aber auch um die Zelebration von Essen als Erlebnis. Außerdem verliere "Nur billig" etwas von seiner Wirksamkeit. Die Nahrungsmittel sollen (politisch) korrekt erzeugt werden, die Produktion werde moralisch bewertet, etwas das Dr. Dirscherl "Verbraucherschizophrenie" nennt. Eine große Widersprüchlichkeit, die sich einerseits aus dem emotionalen Bedürfnis nach bäuerlicher Idylle, Landleben mit grasenden Kühen und glücklichen Hühnern, (Stichwort Tierwohl), ergibt. Andererseits werden Sonderangebote und Billiglebensmittel gekauft,  wohlwissend dass diese so nicht erzeugt werden können. Auch aus dem Verzicht auf Fleisch, das zu allen Zeiten zur menschlichen  Ernährung gehörte, werde eine Religion gemacht, weil der Ernährungsstil oftmals genutzt werde um sich als den besseren Menschen darzustellen. Doch auch beim Fleischverzehr gebe es eine Entfremdung, wenn nur Steak oder Filet verlangt werden und Dr. Dirscherl fragte; "Was geschieht denn mit dem Rest?" Beim Einkaufsverhalten prophezeit er eine Splitterung; im Alltag werde es weiter wichtig sein, dass Ernährung schnell und günstig ist. Aber Menschen suchen auch nach Authentizität, kaufen gerne bei "meinem Bauer" und geben dafür etwas mehr Geld aus, diese Chancen sollten die Landwirte nutzen.  In der anschließenden Diskussion wurde die Frage aufgeworfen, wie der Wert der Hauswirtschaft verbessert werden könnte. Die Kreisvorsitzende der Schw. Gmünder  Landfrauen Doris Kurz berichtete, dass sich die Landfrauen dafür einsetzen, dass Hauswirtschaft an allen Schulen als Pflichtfach eingeführt werde. Die Ortsvereine ihrerseits bieten Erlebnistage an zu Themen wie "Vom Korn zum Brot",  "vom Acker auf den Teller" oder einen Haushaltsführerschein  um die  Wertschätzung von Lebensmitteln auch Kindern zu vermitteln. Sie meinte aber auch: "Manchmal ist es mühsam nicht als altbacken zu gelten, wenn man den Wert der Grundnahrungsmittel  und das richtige Kochen in den Mittelpunkt rückt." Der Vorsitzende des Ostalb-Bauernverbands Hubert Kucher sieht die Ernährungstrends der Zukunft skeptisch: "Wohnungen, die ohne Küche geplant werden, Essen aus dem 3D-Drucker - das klingt verrückt!" Er kündigte eine bessere Öffentlichkeitsarbeit des Bauernverbands an um Verbrauchern mehr Einblick in landwirtschaftliche Produktionsabläufe zu vermitteln. Dr. Dirscherl resümierte: "Der Ernährungshandel hat die Verbraucher verdummt, man will keine kundigen Kunden, sie sollen nicht nachdenken, sondern nur verbrauchen."

 

Bevor sich die Gäste am Buffet Eschacher Landfrauen bedienen konnten, beschloss Bauernpfarrer Uwe Bauer den Abend: "Essen und Trinken hält zwar Leib und Seele zusammen, aber die Antworten auf unsere letzten Fragen können wir uns nicht zusammenkochen. Die müssen wir uns schenken lassen."

Dorothee Wörner